CR201

Kurt Hessenberg : Symphonie Nr. 2 A-Dur, Op. 29 (1943) [42’20”]
 

1. Poco lento. Allegro moderato Allegro con fuoco. [13’40”]

2. Largo. [8’00”]

3. Allegro impetuoso. [6’35”]

4. Poco lento. Allegro. Allegro ma non troppo. Moderato e maestoso. [14’05”]

Veröffentlicht und aufgenommen mit Genehmigung von Schott Musik International, Mainz.

Nachdem sich Furtwängler enthusiastisch für Hessenbergs Konzert für Orchester eingesetzt hatte, hielt der große Maestro engen Kontakt zu dem jungen Hessenberg, er bot ihm Hilfe, Ermutigung und Begleitung seiner künstlerischen Entwicklung. Vier Jahre später bekam Furtwängler die Partitur der Zweiten Sinfonie zu sehen und war noch mehr beeindruckt: Er zeigte sich stark interessiert, nicht nur an der Uraufführung, sondern auch an weiteren Aufführungen: „…überall, wo ich Gelegenheit dazu habe, also vor allem in Berlin und Wien.“ Der größte Teil dieser Komposition war 1943 fertiggestellt, trotz kriegsbedingter Schwierigkeiten fand die Premiere mit Furtwängler und den Berliner Philharmonikern am 10. Dezember 1944 im Admiralspalast von Berlin statt. Das Konzert wurde tags darauf wiederholt. Die Kritiken für das neue Werk waren überwältigend. Bedauerlicherweise kamen Furtwänglers Pläne für weitere Aufführungen nicht mehr zur Ausführung. Das Werk wurde zum zweiten Mal 1947 von Otto Winkler in Koblenz zur Aufführung gebracht. Darüber hinaus hat der Schott Verlag - so weit es die unvollständigen Unterlagen aus jener Zeit erlauben - keinen Hinweis auf weitere Aufführungen: Mehr als ein halbes Jahrhundert hat dieses Meisterwerk quasi im Dornröschenschlaf verbracht.

Einschätzungen des Werkes siehe unten:

Furtwänglers Brief an Hessenberg zur Zweiten Sinfonie:

21. V. 44
Lieber Herr Hessenberg,

die großen Erwartungen, die ich an Ihr damaliges Orchesterkonzert für Ihr weiteres Schaffen geknüpft habe, sind durch Ihre Sinfonie, die ich nun kennengelernt habe, nicht nur vollauf erfüllt, sondern noch weit übertroffen worden. Ich werde nächstens Ihnen noch ausführlicher darüber schreiben. Jetzt möchte ich Ihnen nur sagen, daß es mir eine besondere Freude sein wird, das Werk aufzuführen und zwar überall, wo ich Gelegenheit dazu habe, also vor allem in Berlin und Wien*. Da ich für das erste Konzert an eine Novität von Westermann gebunden bin, die im Frühjahr ausfiel, so wird Ihr Werk im zweiten Konzert drankommen, immer noch früh genug, wie ich hoffe! Das ist dann wohl die Uraufführung? Bis wann ist das Material fertig?

Ich muß Ihnen wirklich gratulieren. Sie sind über den üblichen halbtonalen Allerweltsstil, an dem außer solchen, die zufällig Kritiker oder Verleger sind, oder mit solchen zu tun haben, kein Mensch Interesse hat.

Haben Sie nicht in letzter Zeit auch Kammermusik geschrieben? Könnte ich diese mal kennenlernen?

Mit den besten Grüßen für heute
Ihr eiliger

Wilhelm Furtwängler

Achleiten, Post Rohr a.d. Krems
Oberdonau (12b)

Bild des Briefes: <Seite 1> <Seite 2>

Aus Virgil Thomsons Kolumne im New York Herald-Tribune von 1946:

... wir sollten von Kurt Hessenberg aus Frankfurt gehört haben. Dieser junge Mann schrieb mit Anfang Dreißig [Anm.: 1946 war der Komponist 38 Jahre alt] neoromantischer Lieder, Kantaten und Klavierstücke, die den Geist Schumanns atmen. Seine 2. Sinfonie ist melodiös und überaus gelungen. Unglücklicherweise wurde sie 1942 mit dem Schumann-Preis der Nationalsozialisten ausgezeichnet, ein Umstand, der sie bis heute zum heißen Eisen macht. [Anm.: Es gab keine solche Auszeichnung - vielleicht hat Thomson den früheren Nationalpreis für Komposition gemeint, der jedoch keine nationalsozialistische Auszeichnung war.] Es ist insgesamt ein wunderbares Werk, daher wird es ohne Zweifel später zu seinen Ehren kommen und allgemein sehr geschätzt werden. Es verzichtet auf den Schwulst der deutschen Kontrapunktlehre und ist frei von stilistischer Ungeschliffenheit und Gefühlsduselei, wie sie bis heute in Werken von im Dritten Reich anerkannten Komponisten (z.B. Werner Egk) zu finden sind. Hessenberg ist ein geschulter Handwerker und ein Komponist mit hohem poetischen Gefühl. Seine 2. Sinfonie ist ein großes Werk und sollte gehört werden.

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